Ney Riven

Model: instagram.com/ney.riven

 

Phase One XF - Test

Hallo Leute,

ich würde mich selbst schon als Glückspilz bezeichnen, was Kameraequipment angeht. Ich hatte immer und immer wieder die Gelegenheit, teure Kameras, Linsen, Blitze usw. testen zu dürfen.
Daraus resultiert, dass ich in meinen knapp zwei Jahren Fotografie schon so ziemlich alles in der Hand hatte, was beim Fotohändler um die Ecke in der absperrbaren Glasvitrine steht.

So auch diese Woche. Am Mittwoch brachte mir, nach einem Telefonat, der nette Vertriebspartner den Koffer sogar bis direkt vor die Haustür. Das nenne ich mal Service. Wir hatten bereits vorher schon besprochen, was ich alles gern hätte: Welches Rückteil, welche Linsen und eine CF-Karte gab's auch mit dazu: Bereit zum Loslegen.

Der erste Eindruck

Irre. Und ich dachte, meine 6D wäre mit Batteriegriff und dem Sigma 50mm Art schwer. Die Kamera ist nichts für Schwächlinge. Selbst beim ganz normalen Halten in der Hand merkt man, wie viel mehr das Gerät wiegt als sogar eine Profi-DSLR - von kleineren Spiegellosen ganz zu schweigen.

Das Ganze kommt in einem dicken Koffer. Pelicase. Mit "Phase One" oben drauf, damit auch bloß jeder sieht, dass man dafür gerade einen luxuriösen Mittelklasse-Wagen hat links liegen lassen. Aber letztendlich ist man dann ja doch beruhigt, dass das schwere Kriegsgerät ausreichend geschützt ist. Lästig nur, dass das Teil keine Rollen hat, denn beim Tragen über längere Distanz merkt man die Kilos schon - und ich rede nicht nur von den eigenen.

Was ist im Koffer?

Hat man den anfänglichen Schock über den Preis überwunden, den der Vertreter freundlicherweise schwarz auf weiß mitgibt, kann man das Spielzeug auspacken:

Phase One XF mit Back und Linsen

Phase One XF mit Back und Linsen

In meinem Fall besteht das Spielzeug aus dem Body, der Phase One XF. Hinten dran ist dann das Herzstück des Ganzen, der IQ3 Back mit 50 Megapixel CMOS Sensor. Um möglichst variabel zu sein, habe ich um drei Linsen gebeten: Das Standard Schneider-Kreuznach 80mm / f2.8 LS, ein leichtes Tele Schneider-Kreuznach 110mm/f2.8 LS und das Tele Schneider-Kreuznach 150mm/f3.5 LS. Umgerechnet auf den Mittelformat Sensor sind das bei diesem spezifischen Rückteil in etwa 67mm, 92mm und 125mm. Ideal also für die Portrait- und Beautyshots, die ich unbedingt machen wollte.

Ebenfalls im Lieferumfang dabei: Vier Akkus, da Body und Rückteil jeweils einen eigenen brauchen. Ein Doppelladegerät und ein Tetherkabel, um über USB direkt in Capture One zu schießen. Letzteers ist übrigens empfehlenswert, mehr dazu weiter unten bei "Das Shooten".

Das erste Einschalten

Eins muss man Phase One lassen: Die Dänen wissen, wie man eine eindrucksvolle Kamera baut. Allein das Auslösegeräusch suggeriert "mächtig." Nachdem Akkus und CF-Karte eingelegt sind, drückt man nur auf den Einschaltknopf und nach einer kleinen Wartezeit ist das Ding startklar. Die Bedienung über den Touchscreen des Backs ist leicht, wenn auch nicht intuitiv. Man kann ISO, Weißabgleich, Messmodus usw. direkt per Fingerdruck einstellen. Was ich aber viel beeindrucker finde: Es gibt drei Einstellräder, jeweils für Blende, Belichtungszeit und sogar ISO. Das erleichtert das schnelle Arbeiten ungemein.
Swipt man über das Schulterdisplay, sieht man erst mal richtig, wie viel der neue XF Body kann. Eingebauter Profoto-Blitzauslöser, Blitzsimulation, Seismograph, HDR, Fokusstacking: Alles in-Kamera eingebaut und schnell aufrufbar.

Das Shooten

Eine digitale Mittelformatkamera ist nichts für Amateure. Auch nicht für ambitionierte. Und selbst gestandene Profis müssen sicherlich mehrmals überlegen, ob sich das rechnet und ob die Kamera einen Mehrwert bietet.
An wen richtet sich das Ding also?
Mal eben spontan outdoor bei Gegenlicht offenblendige Portraits schießen ist nicht. Die PhaseOne ist in erster Linie eine Studiokamera. Klar, man kann bei Offenblende - in diesem Fall 2.8. - fotografieren und bekommt schon rasiermesserscharfe Ergebnisse. Aber am Besten geeignet ist das System in meinen Augen für eine kontrollierte, lichtkonstante Umgebung - im Studio eben.

Wojtek Pruchnicki, Beispiel für die Schärfe/Schärfeabfall bei 2.8

So wuchtig und brummig die Kamera ist, so ist auch das Arbeiten mit ihr. Dauerfeuer ist hier Fehlanzeige. Allein schon, weil das Scharfstellen, trotz deutlich verbessertem AF-Modul einfach eine langsame und, sind wir mal offen, nervige Angelegenheit ist. 
Deswegen empfiehlt sich auch, die Kamera tethered an den Laptop zu benutzen. Capture One stammt ebenfalls aus dem Hause PhaseOne und arbeitet deswegen hervorragend mit dem Kamera-System zusammen. Hier lässt sich die Schärfe checken, man kann gleich einen Color-Look über das RAW legen und die Einstellungen prüfen/ändern. 

Viele sprechen oft über den "Mittelformatlook". Es habe etwas cinematisches, filmisches. Der Schärfebereich sei wesentlich kleiner, aber realistischer. Ich weiß nicht, wie viel davon Einbildung und wie viel davon Realität ist. Es hat aber was Analoges, da man viel länger plant, langsamer arbeitet und möglicherweise auch mit mehr Bedacht an die Sache geht. Trifft man mal auch wirklich das Auge bei Offenblende, kann sich das Ergebnis und der Schärfeabfall aber wirklich sehen lassen. 

Meine ersten beiden Shoots waren dementsprechend auch im heimischen Wohnzimmer mit Blitzlicht. Zweimal relativ natürliche Beautyaufnahmen bei geschlossener Blende. Ein Traum für jeden Pixelpeeper, ein Albtraum für jeden Retoucher. Zum Glück waren meine Modelle mit einer nicht-pubertären Haut gesegnet, ansonsten säße ich noch um einiges länger:

Dem aufmerksamen Leser wird auffallen: "Geblitzt? Bei 1/1600?"
Jap, richtig. Ganz abseits von HSS und sonstigen Späßen kann man dank der Leaf Shutter Optiken von Schneider-Kreuznach bis zu 1/1600 syncen. Ideal, wenn man wie ich im kleinen Wohnzimmerstudio shootet, wo viel Umgebungs- und Streulicht vorhanden ist und der Blitz nicht weit genug runterregelbar ist.

Fazit:

Wie immer ist das Gras grüner auf der anderen Seite. Eine Phase One zu haben und zu nutzen, macht sicherlich Spaß - allein der WOW-Effekt ist immens.
Ich hatte "nur" das 50MP Rückteil. Eine Auflösung, die zweifelsohne groß ist, aber auch eben nicht mehr komplett außerirdisch. Eine Sony A7RII hat 42 Megapixel, die Canon 5DS(R) 50. Kann man ähnliche Resultate mit diesen beiden Kameras erzielen? Definitiv.
Wird man einen wirklich großen, sichtbaren Unterschied feststellen? Nein. 

Für Beauty-Aufnahmen, Magazin-Cover und Produktfotos will man das höchstmögliche an Bildqualität. Dennoch ist für einen professionellen Fotografen natürlich der finanzielle Faktor eine essentielle Komponente. Kaufe ich mir ein absolutes Profiset mit vier oder fünf Premiumlinsen für eine Sony, bin ich um die 10.000€ los. Das ist aber immer noch in etwa ein Viertel des Phase One Preises. Zumal bin ich mit einer herkömmlichen Vollformat-Kamera, sei es Spiegellos oder DSLR, flexibler, variabler und vor allem leichter unterwegs. Das Arbeiten generell fällt einem leichter. Und ich kann zwei Jahre meine Miete bezahlen. 

Sicher gibt es Anwender, für die die Phase One Sinn ergibt. Aber auch ein Peter Lindbergh shootet manche seiner Kampagnen mit einer Nikon. 

Es ist der Unterschied zwischen 98% und 100% Qualität. Ist die einem so viel Geld wert? Das darf selbstverständlich jeder selber entscheiden. Letzten Endes wählt man das Werkzeug, das für den Job passt. Ûnd die Phase One ist sicher ein Werkzeug, das extrem gut ist. Ich finde aber als guter Fotograf bekommt man diese Ergebnisse auch hin ohne ein Organ verkaufen zu müssen oder die Seele an Mephisto abzugeben.

Beba

Model: instagram.com/bebasukic

 

Lisa - 22.05.2016

L I S A

 

Am 22. Mai war es nach langer Planerei endlich so weit. Mein Lieblings-Redhead-Lisa und ich hatten unser erstes Shoot. Das Wetter war so blendend gut und es war so heiß, dass wir direkt rausgegangen sind. Mein erstes Outdoor-Shoot seit Langem.

Lisa zu shooten ist natürlich eine Wonne. Abgesehen davon, dass Sie natürlich super hübsch und ein gutes Model ist, die Sommersprossen sind für einen Gesichtsfetischisten wie mich ein Privileg. Dementsprechend natürlich wollte ich es halten und hab auf Schnickschnack verzichtet. Ihr Gesicht war in der Hauptrolle - alles andere außenrum nur Verzierung.

Mit dabei waren Philpp Lienert mit seinem Model Verena und Mr. Lightworx himself als Assistent und Making Of Filmer.

Als kleines Gadget dabei: Mein neuer Abschatter von Quenox.  Da wie gesagt die Sonne runtergebrannt hat wie die Hölle, hätte wir uns im Normalfall in den Schatten verkriechen müssen.
Zum Glück hatte ich aber den neuen Quenox Scrim Sun Diffusor von enjoyyourcamera dabei.

Lisa & Ich in Action. Assistent: Philipp Lienert

Das Ding ist der Hammer. Mit 145*145cm groß genug, um den ganzen Körper abzuschatten, andererseits dank mitgeliefertem Boom-Stick und Tasche portabel genug. Philipp hat ihn direkt über Lisa gehalten, das geht locker mit einer Hand. Tadaaa - Augenblicklich weiches Licht - für Portraits ein Traum.

Man bekommt damit genug Glanz ins Gesicht, dass es nicht flach wirkt, andererseits hat man nicht die normalen harten, unschönen Schatten im Gesicht wie bei direktem Sonnenlicht.

Zudem ist er eine absolute Alternative zum überteuerten Modell von Sunbounce.

Anbei noch ein paar Ergebnisse und das geile Making Of Video von Tobi! Riesen Dank nochmal dafür!

Und einen riesen Dank an enjoyyourcamera.com für den tollen Scrim!

Ergebnisse: